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40 Jahre Judo -
ein Stück Premnitzer Sportgeschichte
Judokas des TSV Chemie Premnitz begehen ihr Jubiläum
Judokas des TSV Chemie Premnitz begehen ihr Jubiläum 40 Jahre Judo in Premnitz - ein Ereignis, das uns Premnitzer Judokas veranlaßt hat, über unsere Entstehung, unsere Wurzeln und unsere Entwicklung bis zum heutigen Tag nachzudenken und diese Gedanken zu fixieren. Wie also war das eigentlich vor vierzig Jahren? Um dieses herauszufinden, organisierten heute aktive Judokas ein Treffen mit den „Kämpfern der ersten Stunde“, Judokas und Sportorganisatoren der damaligen Zeit.



1961 - 1971

Gerd Haberstroh begründet die Judotradition
In lockeren Gesprächsrunden erzählten Gerd Haberstroh, Detlef Lange, Ulrich Hahn und Manfred Gesch über „alte Zeiten“. Gerd Haberstroh gilt eigentlich als der Pionier des Judokampfsportes in Premnitz. Im Frühjahr 1960 kam er nach Premnitz und wollte hier einen Sport betreiben, den er in seinem Heimatort Glauchau lieben lernte - Judo-Kampfsport!

Im damaligen Chemiefaserwerk, Gebäude 029, befand sich ein Trainingsraum der Dienstelle der VP im CFW. Der einzige Raum weit und breit, in dem eine Matte lag. Die Polizei war über das Interesse der Jugend erfreut, wollte man doch eine FDJ-Ordnungsgruppe aufbauen. Aber hier lag ein Interessenkonflikt zwischen dem Ziel der Polizei und dem Ziel des Sportsfreundes Haberstroh vor. Dieser wollte keine reine Selbstverteidigungs- bzw. Nahkampfausbildung, sondern ein Wettkampftraining - keine Veranstaltungen „absichern“, sondern im sportlich fairen Wettkampf sich mit anderen Judokas messen. So sucht der hoffnungsvolle, junge Kämpfer Hilfe bei der BSG Chemie. „Chef“ der BSG war damals Uli Hahn.
Der Leiter des Sportbüros der BSG Chemie ist zwar mit Leib und Seele Handballer, hatte aber immer für alle Sportinteressierten ein offenes Ohr, half für alle Probleme Lösungen zu finden. So wurde zwischen der BSG Chemie Premnitz und der Polizeidienststelle eine Nutzungsvereinbarung getroffen, denn an eine eigene Judomatte war zunächst noch nicht zu denken. Inzwischen suchte der Einzelkämpfer gleichgesinnte, um mit ihnen gemeinsam den Sport zu betreiben. Nicht nur junge Burschen, wie Detlef Lange (der ab 1972 eine bedeutende Rolle im Verein spielte) lockte der neue Sport an, mit Ursel Sommer und Vera Patrick begann auch die erfolgreiche Tradition der weiblichen Judokas in Premnitz.



Selbstverteidigung
Gründung der Sektion Judo


Ansatz eines Opferwurfes
Im Frühjahr 1961 trennten sich BSG und Polizeisport, denn in der Halle der Tagesheimschule Premnitz (heute Alexander v. Humboldt-Gymnasium) war nach der Anschaffung einer Judomatte und einiger Anzüge ein selbständiges Training möglich. Im Prinzip war dies die Geburtsstunde der Sektion Judo der BSG Chemie Premnitz. Man wollte auch nicht lange „im eigenen Saft braten“ und organisierte sich Unterstützung aus Brandenburg. Der Verein Lok Brandenburg, unter Leitung von Hans Tierling, war der einzige Judoverein weit und breit. Vor allem mit „Fredi“ gab es dort einen Enthusiasten, der den weiten Weg nach Premnitz nicht scheute und hier Aufbauarbeit für den Judosport leistete.

Bald war mit Manfred Gesch, der seinen Weg vom SC Berlin nach Brandenburg fand, ein erfahrener Kämpfer als Trainer nach Premnitz gekommen. Arbeit und persönliche Bindung ließen ihn zum Premnitzer werden. Nachdem die Premnitzer Judokas ihren Wettkampfsport technisch und organisatorisch aufgebaut hatten, wechselte Sportsfreund Gesch zum Polizeisportverein Dynamo Rathenow. In diesem neu gegründeten Judoverein galt es ebenfalls viel Aufbauarbeit zu leisten. Eine Herausforderung, der Manfred für ca. 4 Jahre an der Seite von Sportsfreund Werner Halpaus nachging.
Vorerst nur kleine Schritte
Die Premnitzer machten nur kleine Schritte vorwärts. Um 1962/63 fand eine erste Gürtelprüfung statt. An einen regelmäßigen Wettkampfbetrieb war nicht zu denken, es waren kaum andere Judovereine in der Nähe. In der gesamten DDR war der Sport erst im Aufbau und die Mittel und Möglichkeiten sehr bescheiden. Das Training war den heutigen Übungsstunden sehr ähnlich. Man erarbeitete sich lediglich den Bewegungsablauf von Techniken mehr aus Büchern. Ein Sachverhalt, den sich heutige Judokas kaum vorstellen können, denn ihnen zeigt der Übungsleiter wie eine Technik aussehen soll, worauf man achten muß.
1965 bis 1970 leitete wieder Manfred Gesch das Premnitzer Training. In dieser Zeit wurden mit Wolfgang Keller und Dieter Köppen auch zwei Nachwuchskader herangezogen.

Wolfgang Keller leitet Judosektion
Mit dem gesundheitlich bedingten Ende der sportlichen Laufbahn von Manfred Gesch übernahmen diese beiden Jugendlichen im Alter von 16 bzw 14 Jahren ab 1970 die sportliche und organisatorische Leitung der Judosektion der BSG Chemie. Natürlich erhielten sie auch alle Unterstützung der damaligen BSG-Leitung. Sportsfreund Uli Hahn kann sich noch gut an diese Zeit erinnern: „Hut ab vor der Leistung dieser beiden Jungs, die eine relativ große Gruppe von etwa 50 bis 60 Kinder- und Jugendliche, männliche wie weibliche im Griff hatten und die Judosektion am Leben erhielten.“
Inzwischen wandelte sich auch in den späten sechziger Jahren bis 1972 der Trainings- und Wettkampfplan etwas. Jährlich wurden ein bis zwei Gürtelprüfungen durchgeführt. Mit den Kreiseinzelmeisterschaft und der Kreiskinder- und Jugendspartakiade gab es für die Premnitzer Judokas jährlich zwei Wettkämpfe, bei denen man sich mit den Judokas aus Rathenow messen konnte. Aber diese Meßlatte hing teilweise sehr hoch, denn Rathenower Judokas hatten um 1970 bereits im DDR-Maßstab einen guten Name. Zu dieser Zeit lernten übrigens auch ein Teil des heutigen Kerns der Judoabteilung das Laufen auf der Premnitzer Judomatte, wie Uta Bronsat (Baczkowski), Karsten Fischer, Berthold Kammin und Rainer Zemlin.


Kontertechnik
Es ist schwer, in der Vergangenheit zu recherchieren, vor allem, wenn man diese Zeit und diese Ereignisse nicht miterlebt hat. Die Fotos stellte uns freundlicherweise Sportsfreund Detlef Lange zur Verfügung. Aber niemand weiß, wer auf den Bildern abgelichtet wurde. Vielleicht erkennt der eine oder andere ehemals aktive Judoka jemanden auf den Bildern. Bei der Erstellung unserer Chronik sind wir für Hinweise auf weitere Personen der frühen Jahre aber auch auf „Erzählungen aus der alten Zeit“ dankbar. Wir sind am frühen Mittwochabend (bis ca. 19.00 Uhr) in der Turnhalle an der Grundschule am Dachsberg zu sprechen. Desweiteren findet man uns im Internet unter TSV-Premnitz.de .



1971 - 1981

„Premnitz hatte Kinder ohne Ende“

Wie war das damals ???
Montags, mittwochs und freitags wurde für jeweils zwei Stunden (ab 18.00 bzw. ab 19.00 Uhr) in der Turnhalle der Tagesoberschule Premnitz (heute A.-v.-Humboldt-Gymnasium) die Matte auf- und wieder abgebaut. Dies war bereits eine Aktion, die Kraft und Geschicklichkeit schulte. Die Mattenteile (18 Stück á 2x1m ) waren unhandlich und schwer, wurden in eine Unterlage eingebaut und mit einer Plane abgedeckt. Um diese 6x6 m Kampffläche wurde mit Turnermatten etwas wie eine Sicherheitsfläche aufgebaut. Im Durchschnitt waren etwa 35 Jungen und 15 Mädchen beim Training. Zu diesen drei Trainingseinheiten kamen alle Judokas, egal ob 6 oder 16, ob Junge oder Mädchen. Das förderte den Zusammenhalt der Sportgruppe. Und es herrschte auch eiserne Disziplin; das Heben der Beine an der Sprossenwand oder Lieggestütze wurden vom Trainer Wolfgang Keller beispielsweise fürs Dazwischenquatschen meist im 50er Pack verteilt.
Unsere Judokas waren damals athletisch gut ausgebildet. Jedoch die Vermittlung von technischen Feinheiten blieb etwas auf der Strecke. Unter der Leitung des erst 16 jährigen Wolfgang Keller hielt sich die Sektion nicht nur über Wasser, sie entwickelte sich auch weiter. Im Herbst 1971 bekamen die Premnitzer Kampfsportler eine neue Judomatte. 8x8 m Kampffläche, Mattenelemente 2x2 m, also noch größer, noch unhandlicher, noch schwerer auf- und abzubauen. Aber die alte Matte hatte erhebliche Verschleißerscheinungen.
Der Stoff wurde mürbe, die Nähte platzten und immer öfter griffen die Judokas zur Sacknadel und dem Spezialgarn, um die alte Matte am Leben zu erhalten, denn für die große Zahl Judokas wurden beide Matten gebraucht. Mit der vergrößerten Wettkampffläche kamen auch noch mehr Kinder und Jugendliche zum Judokampfsport. Stets saßen mindestens 5 Schaulustige in der Halle und guckten den Sportlern zu. Computer gab es damals noch nicht, das Fernsehangebot war dürftig. So war Sport eigentlich die wichtigste Möglichkeit der Freizeitgestaltung. Und Premnitz hatte, man kann dies heute kaum glauben, „Kinder ohne Ende“!




Fallübung rückwärts von Stuhl. Hartmut Wower übt mit Uta Bronsert, hinten stehen u.a. Elke Achenbach, Christine Krücken (links) und Andreas Specht (rechts)
Was kostete der Judosport?
Schüler zahlten einen Jahresbeitrag von 2,40 Mark, Lehrlinge, 9,60 Mark und Erwachsene 15,60 Mark. Mit Soli- und Aufbaumarken wurden die Beträge meist auf den nächsten 5er gerundet. (Aber dies war einigen Eltern damals zuviel.) Dafür erhielten die Kinder vom Verein anfänglich kostenfrei, später mit Zuzahlung von 25 Mark, einen Judoanzug, Sporthallennutzung, alle 10 Jahre eine neue Judomatte. Wettkampffahrten wurden von der BSG (Betriebssportgemeinschaft) getragen, bei größeren Touren gab es auch noch 3,00 Mark (später 3,50 Mark) Verpflegungsgeld, was meist für ein Schnitzel mit Kartoffeln und eine Brause reichte. Startgelder und Kampfrichtergebühren gab es damals noch nicht.

Sportliche Entwicklung 1971-72

Die Leitung der Sektion Judo lag, wie schon erwähnt, in den Händen des Jugendlichen Wolfgang Keller. Trainingsziele in dieser Zeit waren die Vorbereitungen auf Kreismeisterschaften, Kinder- und Jugendspartakiaden auf Kreisebene und 2 Gürtelprüfungen pro Jahr. Mangels Erläuterungen wurden Bewegungsabläufe nach einem Judofachbuch stur auswendig gepaukt, ohne zu verstehen, warum ein Fuß so gesetzt werden, eine Hand so greifen soll, und nicht anders. Der Kampf an sich stand im Mittelpunkt, nicht das Prinzip des Judos (das Nachgeben und das Übernehmen der Bewegung des Partners bzw. des Gegners). Als Ergebnis hatte der Premnitzer Judosport viele Kämpfer mit grünen und blauen Gürteln auf der Matte zu stehen, die aber im Kampf oft von Gelb- und Orangegurtträgern besiegt wurden. Mehrere Vizemeister und Drittplazierte gab es bei Kreismeisterschaften und Kreisspartakiaden. Sportler wie Ute Bronsert (heute Baczkowski) Berthold Kammin, Karsten Fischer, und Rainer Zemlin, die heute (1992) aktiv in der Leitung der Judoabteilung arbeiten, lernten damals das Laufen auf der Premnitzer Judomatte. Die Leistung von Wolfgang Keller, der als 16 - 18jähriger den Judosport in Premnitz nicht nur am Leben erhielt sondern im Rahmen seiner Möglichkeiten auch weiterentwickelte, muß als hoch anerkannt werden.
Vorbereitung auf eine Kyuprüfung. O-Uchi-Gari, die große Innensichel wird trainiert.

1972 - mehr Schwung mit D. Lange
Nach seiner Berufsausbildung / Abitur ging Wolfgang Keller 1972 zur Armee. Die BSG-Leitung hatte nun alle Hände voll zu tun, einen neuen Leiter und Trainer für die inzwischen gut 60 Judokas zu finden. Aber glücklicherweise fand man mit dem junge Ingenieur Detlef Lange, der sich im Werk um Arbeit bewarb, einen ehemaligen Premnitzer Judoka aus der Anfangszeit. Während seines Studiums in Wildau entwickelte er sich auch als Judosportler weiter. Unter seiner Leitung wurden im Training auf Technik verstärkt Wert gelegt. Mit dem Premnitzer Chemie-Pokal rief er ein Einladungsturnier ins Leben. Die Premnitzer Kämpfer lernten andere Judokas kleinerer Vereine kennen. Man fuhr nicht nur zu Turnieren nach Rathenow, sondern beispielsweise auch mal nach Hennigsdorf. Neue Horizonte wurden unseren Kämpfern unter der Leitung von Detlef Lange eröffnet. Mit zunehmender Wettkampfpraxis stiegen auch Wettkampferfolge und das Selbstbewußtsein der Judokas. Ab und zu standen Premnitzer Judokas auch mal ganz oben auf dem Siegerpodest. Mit einem Turnier beim SC Post Schwerin wurden jedoch „abgehobene“ Judokas wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt.
Diese Zeit 1972 - 75 wurde stark durch das Prinzip „lerning by doing“ geprägt. Vor allem die Jugendlichen der Sektion lernten aus ihren Kämpfen und konnten als Leiter kleiner Übungsgruppen ihr Wissen weitergeben. Detlef Lange zog sich mit Berthold Kammin einen fähigen Co-Trainer heran. In mehreren Lehrgängen legten sie verschiedene Übungsleiter- und Kampfrichterstufen ab. Das Verstehen des Prinzips des Judos und dessen Umsetzung wurden bei diesen Lehrgängen gefördert und die Übungsleiter lernten zunehmend ihr Wissen an die Sportler ihrer Trainingsgruppen weiterzugeben.

Sportliche Erfolge stellten sich nach gut dreijähriger Aufbauarbeit durch Detlef Lange ein. Kreis- und Bezirksmeistertitel waren nun keine Seltenheit mehr. Elke Achenbach, die Anfang 1972 unter Wolfgang Keller ihre ersten Schritte auf der Judomatte machte, entwickelte sich schnell zu einer der erfolgreichsten Kämpferinnen des Premnitzer Judosports. Neben den verbesserten Trainingsbedingungen war die sportliche Konkurrenz im eigenen Verein durch Sylvia Pietsch ein Grund für Elkes Entwicklung. 1974 wurde sie die erste Premnitzer Judo-Bezirksmeisterin. Mit Sylvia bestimmte sie über mehrere Jahre das Niveau in ihrer Gewichtsklasse auf Bezirksebene. Wechselweise stellten sie den Meister. 1975 folgte ein erster Platz von Elke in einem DDR-offenen Turnier. Dem folgten bis 1981 noch mehere Erfolge auf DDR-Ebene.
Sportler wie Klaus Dittmer, Wilfried Lockowandt, Peter Pietsch, Ralph Stuhlmacher, Karsten Fischer oder die Mädchenmannschaft um Elke Achenbach, Sylvia Pietsch, Svea und Doreen Wanjek von der BSG Chemie Premnitz waren bald über die Grenze des Bezirkes Potsdams hinaus bekannt. Zunehmend kümmerte sich auch Elke Achenbach um den Nachwuchsbereich des Premnitzer Judosports. Mit ihr und Berthold Kammin hatte sich Detlef Lange zwei gute Übungsleiter herangebildet, so daß er sich aus der ersten Reihe etwas zurückziehen konnte und die Selbständigkeit dieser beiden somit weiter förderte.


Krafttraining mit Detlef Lange (am Gewicht) Links stehen: Frank Neubert, Dieter Wagner, Berthold Kammin und Ronald Bühlau.

Mit den Erfolgen stieg der Zulauf
Mit den Erfolgen der Sportler stieg auch der Zulauf zur Sektion Judo. Die Trainingsmöglichkeiten in der Sporthalle der TOS (Tagesoberschule) „Werner Seelenbinder“ reichten nicht mehr aus. Die Statistik wies damals einen Mitgliederstand von 78 aktiven Judokas aus. Gespräche mit dem Abteilungsleiter der BSG, Uli Hahn, über bessere Trainingsbedingungen häuften sich. Er war bekannt dafür, unmögliches möglich zu machen und versprach Abhilfe zu schaffen. Wer mit leeren Händen es schafft die große Premnitzer Sporthalle finanzieren und bauen zu lassen, wird wohl noch einen kleinen Judo-Trainingsraum organisieren können. Im Zuge des Neubaus des Sportbüros 1978/79 entstand auch der neue Trainingraum. Ein Raum, ca. 11x12 m groß, zweckgebunden nur für Judokampfsport - das bedeutete eine ständig liegende Matte, ca. 20 Minuten Trainingzeitgewinn, weil der Auf- und Abbau entfiel. Das bedeutete aber auch Trainingszeiten an fünf Tagen in der Woche. Möglichkeiten, die man gar nicht abdecken konnte, zumal auch Sportsfreund Kammin 1979 zur Armee eingezogen wurde. Nun lag die Arbeit mit den Kindern wieder auf den Schultern von Detlef Lange, vor allem aber von Elke Achenbach.

Früchte der Arbeit
Wie durch ein Wunder entspannte sich die Lage im Frühjahr 1981. Bertold Kammin, Klaus Dittmer und Wilfried Lockowandt kamen vom Armeedienst zurück, Rainer Zemlin Beendete sein Studium. Mit Karsten Fischer drängte noch ein Jugendlicher nach Aufgaben.
Nach acht Jahren kontinuierlicher Aufbauarbeit erntete Detlef Lange mit diesem Stamm junger Übungsleiter die Früchte seiner Arbeit. Der Schritt vom „Einzelkämpferdasein“ zum Aufbau einer Leitungsebene war vollzogen. Der Judosport hing nicht mehr am Dasein einer Person, sondern wurde von einer Gruppe getragen. Damit sollte eine Perspektive auf Dauer gegeben sein.



1981 - 1991

Das „Aus“ hätte kommen können
Wie auch zu den ersten beiden Teilen der vierzig jährigen Geschichte der Premnitzer Judokas, traf sich auch diesmal das Redaktionsteam um Uwe Majonek in einer lockeren Gesprächrunde mit den Sportsfreunden, die zu dieser Zeit maßgeblich am Bestehen und Entwickeln des Judosportes in Premnitz beteiligt waren. Aus ihren Erfahrungen dieser Zeit erzählten Detlef Lange, Karsten Fischer, Wilfried Lockowandt und Rainer Zemlin.

Die ersten 20 Jahre waren von der Initiative einzelner Sportsfreunde in der Leitungstätigkeit gekennzeichnet. Ab 1981 erntete man die Früchte der Aufbauarbeit der letzten 8 Jahre.
Elke Ploewka, die 1978 bis 1981 Schwerstarbeit als Trainerin leistete, sah Mutterfreuden entgegen und blieb in den nächsten Jahren erst mal bei ihren Töchtern. Im Frühjahr 1981 kamen Bertold Kammin, Klaus Dittmer und Wilfried Lockowandt vom Armeedienst zurück. Rainer Zemlin hatte sein Studium beendet. Mit Karsten Fischer drängte noch ein Jugendlicher nach Aufgaben. Mit diesem Stamm junger Übungsleiter vollzog Detlef Lange den Schritt vom ”Einzelkämpferdasein” zum Aufbau einer Leitungsebene. Die Sportsfreunde, die eine Aufgabe hatten, nahmen diese auch gewissenhaft wahr. Als Leiter hatte Detlef Lange nun die Aufgabe, den Enthusiasmus der jungen Menschen in der neuen Leitungsebene in die richtigen Bahnen zu lenken und keine Meckereien sondern nur konstruktive Kritiken zuzulassen. 1983 schien für Detlef wieder ein Zeitpunkt gekommen zu sein, von der ersten in die zweite Reihe zu treten. Auf der Wahlversammlung schlug er Sportsfreund Rainer Zemlin zum neuen Leiter der Sektion Judo vor.

Kampf um Mitglieder

Wettbewerb und Planung wurden im Sozialismus groß geschrieben. So sollten Perspektivpläne mit möglichst Aufwärtstrend für die Mitgliederentwicklung erstellt werden. 1983, als Rainer Zemlin die Leitung übernahm, war aber ein Abwärtstrend in der Mitgliederstatistik zu erkennen. Also wurde kräftig die Werbetrommel für den Judosport gerührt. Nach wie vor war der Judosport ein reiner Kinder- und Jugendsport. An den Schulen wurden die Kinder befragt und es wurden sogar schriftliche Einladungen verteilt. Die Resonanz war gleich Null, selbst Kinder mit unsportlichem Erscheinungsbild waren bereits in anderen Sportarten integriert. Ein Echo ganz anderer Art war das Ergebnis! Der Leiter des Trainingszentrum Turnen rügte die Judokas, weil sie dem ESA-System, dem einheitlichen Sichtungs- und Auswahlsystem, dazwischen funkten.
Nach diesem System durften nur die vier Trainingszentren in bestimmte Jahrgangsstufen an Kindergärten und Schulen werben. Erst ab Klasse 5 hätte man für Judoka werben dürfen - drei Jahre zu spät, um einen guten Judosportler für die AK 10 zu entwickeln. Aber warum ging die Zahl der Sportler so zurück? Fünf Jahre zuvor wollten fast achtzig Kinder und Jugendliche den Sport von Professor Jigoro Kano erlernen. 1983 hatte man Mühe, 40 Wettkampfaktive bei den Judokas zu finden. Die Ursachen lagen nicht nur im politischen Druck, dem die Trainingszentren ausgesetzt waren - denn diese mußten Kinder zu den Sportschulen delegieren - sondern auch in den gesellschaftspolitischen Maßnahmen der DDR.

Der Pillenknick hatte Premnitz erreicht.

Nun kamen die geburtenschwachen Jahrgänge 1972 - 1976, die im Alter von 8 bis 10 Jahren Sport treiben wollten.
Um aber dennoch Zuwachs zu bekommen ließen sich die Judokas einiges einfallen. Mit dem Trainigszentrum Turnen wurden eine Patenschaft in der Hinsicht geschlossen, daß Kinder, die aus irgendeinem Grund den Leistungssport Turnen nicht mehr machen wollten oder konnten, der Judosport empfohlen wurden. Aus dieser Patenschaft gingen hervorragende Judokas wie Frank Siegemund und Dirk Timmler hervor, die mehrfach auf Bezirksebene und bei DDR-offenen Turnieren vordere Plätze erreichten.
Ein kleines logistisches Meisterwerk lies sich Rainer Zemlin einfallen. Durch das Chemiefaserwerk war ein großes Busnetzwerk vorhanden. Kindern aus der Region Bahnitz - Nitzahn wurde Platz und Zeit eingeräumt, daß sie mit dem ersten Schicht-Bus zum Training kommen, und mit dem Letzten wieder Heim fahren konnten. Die recht erfolgreiche Gruppen der ”Busfahrer” war gegründet. Sie hatte eine Stärke von 12 bis zeitweise 18 Mädchen und Jungen. In ihr trainierten u.a. Nicole Dahlbruck (Vize-Bezirksmeisterin) und Daniela Ahlert (drittplazierte) sowie Steffen Ost, der ebenfalls gute Plazierungen erreichte. Diese Gruppe, die Kinder vom Lande, zeichneten sich durch Kraft und Härte aus. Leider waren die Trainingseinheiten zu kurz. Nach 75 Minuten mußten die Kinder wieder zum Bus.





Kinder der Gruppe von Elke Ploewka trainieren den damaligen UKI-Goshi
Erste Schwarzgurtträger in Premnitz

Obwohl der Stamm an Verantwortung tragenden Erwachsenen relativ groß war, kam 1983 und 84 noch einmal eine Zeit, in der wenige Übungsleiter den Trainings- und Wettkampfbetrieb absichern mußten. Klaus Dittmer, Berthold Kammin und Wilfried Lockowandt bereiteten sich auf die Prüfung zum ersten DAN vor. Der Schritt zum Meistergrad verlangt auch eine meisterliche Beherrschung des Sportes. So wurde über ein Jahr 5 bis 7 mal pro Woche trainiert, um das Riesenprogramm aus dem FF zu beherrschen und absolute Synchronität mit dem Partner zu erreichen. Das Erreichen dieser Graduierung war auch Voraussetzung für bestimmte Lehrgänge (Trainerschein) und Tätigkeiten (DDR-Kampfrichter). Im Frühjahr und im Herbst 1984 wurde diese Prüfung gemeistert und Premnitz hatte seine ersten DAN-Träger.

1987 - Ein Jahr mit einschneidenden Ereignissen

Langsam entwickelte sich auch eine neue Anfängergruppe. Grund: Ab 1976 kam das Babyjahr und der Ehekredit. Viele Familien entschieden sich für Zuwachs. 8-10 Jahre später wollten dann wieder mehr Kinder Sport treiben.
Karsten Fischer nahm 1985 ein Studium in Dresden auf. Elke Ploewka konnte im gleichen Jahr wieder aktiviert werden, ihre Töchter waren aus dem Gröbsten ‘raus und sie fand bis 1987 wieder Zeit für den Judosport. Leider zog sie dann aus Premnitz weg. Der 1. Mai 1987 mit seiner Mai-Demo stand vor der Tür. Ein Ereignis, auf dem die Sportler u.a. durch ihr Auftreten in ihren weißen Anzügen um Mitglieder warben. Aber Engpässe in der Versorgung mit Judoanzügen ließen den Sektionsleiter verzweifeln. Viele neue Mitglieder hatten keinen Judoanzug. Zum ersten Mai und dann ein bunter Haufen statt eine weiße Mannschaft... ? Zum anderen standen Kreismeisterschaften, Kreisspartakiade und andere Wettkämpfe vor der Tür. Wie sollten die neuen Mitglieder am Wettkampfgeschehen teilnehmen?

Rainer Zemlin hatte die Nase voll

Er warf nach vier Jahren Leitungstätigkeit das Handtuch.
Detlef Lange war nun wieder gefragt, die erhitzten Gemüter zu kühlen, die Sektion kommissarisch wieder zu leiten. Ende der 80er Jahre waren im Durchschnitt 35 wettkampfaktive Mädchen und Jungen in der 4 Trainingsgruppen integriert. Erfolgreiche Judosportler der BSG Chemie in den 80ern waren: Christian und Daiela Ahlert, Anke und Frank Barduhn, Michael Becher, Steffen Beckmann, Doreen Bergk, Peter Bludau, Nicole Dahlbruck, Mirko Dreuse, Nadine Genge, Anja Niezijewski, Jörn Huxdorff, Carola und Mario Müller, Steffen Ost, Stefan Peuker, Thomas Ruge, Marcel Schmidt, Frank Siegemund, Silvio Sobczik, Rico Teuber, Dirk Timmler, Kai Waese, Marco Zellmer und Christian Ziemke.





Judorolle vorwärts über den Partner
Detlef Lange leitet das Training
Versuch einer Partnerschaft

Bei den Bezirksmeisterschaften im Frühjahr 1988 lernten die Trainer von Premnitz Harry Puhan, den Verantwortlichen der Judokas von Dynamo Pritzwalk kennen. Dieser klagte sein Leid. Es fehlte an sportlicher Anleitung von künftigen Übungsleitern. Kurz entschlossen nahmen die Premnitzer Übungsleiter eine Einladung an und unterstützten einen dort organisierten Wochenendlehrgang. Beeindruckt waren wir von den Bedingungen, unter denen die Pritzwalker trainierten: Eine harte, hucklige Matte auf Betonfußboden, eine Baracke, die zuvor ein Zwiebellager war, Sanitärräume auf´s Einfachste eingerichtet. Wer hier trainierte war hart im nehmen, bescheiden und fanatisch. (Wie gut hatten wir es in Premnitz!!!) 1989 wurde dieser Lehrgang wiederholt, leider schlief mit der Wende diese Partnerschaft ein.

1989 - Die Wende in Sport und Politik

Nach der Wende kamen ungewisse Zeiten auf den Sport zu. Brauchte man sich früher nur wenig Gedanken um finanzielle Mittel machen, standen sie plötzlich im Mittelpunkt. Mit der geöffneten Grenze verließen viele junge Menschen das heimatliche Premnitz. So auch Klaus Dittmer, einer unserer Übungsleiter.
Freistellungen von der Arbeit, um ab 14.00 Uhr Training durchführen zu können, waren auch nicht mehr möglich. Das traf uns hart, weil zwei Gruppen von Schichtarbeitern trainiert wurden. Die Trainingsabsicherung lag nun in erster Linie bei Rainer Zemlin. Berthold Kammin und Wilfried Lockowandt, die in verschiedenen Schichten arbeiteten, teilten sich die Trainingsarbeit in einer zweiten Gruppe. Im Mai 1990 kam Karsten Fischer vom Armeedienst zurück und stieg wieder in die Trainertätigkeit ein. Die Sportsfreunde Kammin und Lockowandt fanden immer weniger Zeit für den Sport. Während der Eine sich in die Kommunalpolitik einbrachte, hatte der Andere mit einem Fernstudium alle Hände voll zu tun. Auch Detlef Lange der bis 1990 die ”Leitungsfäden” in seinen Händen hielt, steckte seine wenige freie Zeit in die Politik.
Im Prinzip hielt ein Zweierteam (K. Fischer, R. Zemlin) den Betrieb bei den Judokas aufrecht. Aus der BSG Chemie Premnitz wurde der TSV Chemie Premnitz, aus der Sektion wurde eine Abteilung. Neue Satzungen, neue Strukturen, neue Verbände und alle wollten Geld haben. Sponsoren gab es noch nicht. Der Wettkampfbetrieb ging auf ein Minimum zurück. Eine Planarbeit war infolge der neuen Umstände nur in kurzen Zeitabschnitten möglich. Jeder Zeit hätte das Aus des TSV kommen können, oder auch das Aus nur für die Judoabteilung.

Aus Mangel an Wettkämpfen, aber auch um ein neues Zusammenhaltsgefühl zu fördern, entschlossen sich Karsten Fischer und Rainer Zemlin kurz vor den Sommerferien 1990 eine Abteilungsmeisterschaft durchzuführen. Hierzu waren alle Kinder der Judoabteilung mit ihren Eltern, Großeltern und Geschwistern eingeladen.

"Judo in Familie" brachte Zuversicht

"Judo in Familie" - etwas Neues, das zur Tradition werden sollte. Zu den Wettkämpfen gab es vor der Judohalle noch ein gemütliches Beisammensein bei Grillwurst und Getränken. Bei schönstem Sonnenschein leuchteten die Anzüge der nur noch 23 Sportler weit. Karsten und Rainer fragten sich: Aufhören oder weitermachen mit dem Judosport? Aber die Anerkennung der zahlreichen Eltern und deren Zusage zur Unterstützung ließen die beiden Trainer Mut schöpfen und konnten so einen nächsten, absehbaren, Zeitabschnitt planen.




Showvorführung vor dem Jugendclub

1991 - 2001

Die Trainingsgruppen platzen aus allen Näthen
Die Redaktionskommission ”40 Jahre Judo in Premnitz”, die diese Artikelserie zusammengestellt hat, traf sich diesmal mit den Sportsfreunden Uta Baczkowski, Karsten Fischer, Wilfried Lockowandt, Uwe Majonek und Rainer Zemlin. Diese Sportsfreunde waren maßgeblich an der Entwicklung des Premnitzer Judosports der letzten zehn Jahre beteiligt.

Mit der Wende war ein Tiefpunkt im Premnitzer Judosport eingetreten. 2 Trainer und 23 Mädchen und Jungen zählte die Sektion im Frühjahr 1990. Nachdem die beiden ”letzten Mohikaner”, Karsten Fischer und Rainer Zemlin, sich entschlossen, so lange es geht, den Judosport in Prem-nitz aufrecht zu erhalten, konnte es nur noch Bergauf gehen.


Ausgelassene Stimmung nach einem Wettkampftag der Premnitzer Mädchen
Die BSG Chemie wurde TSV Chemie und begann sich zu festigen. Damit war das Fundament für die Sektion Judo, die nun Abteilung Judo wurde, gelegt. Karsten und Rainer einigten sich, daß Karsten kommissarisch die Leitung der Abteilung übernimmt.
Die beiden Trainer hatten keine Zeit, die Werbetrommel für den Judosport zu rühren und waren mit ihren Trainingsgruppen eigentlich ausgelastet. Dennoch interessierten sich immer mehr Kinder für den Judokampfsport. Die beiden Trainingsgruppen platzen schnell aus ihren Nähten. Uta Baczkowski, ehemalige Judosportlerin und Mutter eines Premnitzer Judokas, erklärte sich im Herbst 1990 bereit, eine Trainingsvertretung in der Gruppe ihres Sohnes zu machen - seit dem ist sie wieder aktiv mit dem Judosport verbunden.
Auf ähnliche Art und Weise konnten immer mehr Erwachsene in die Judoabteilung integriert werden. 1992 standen bereits wieder 6 Übungsleiter mit 3 Jungen- und einer Mädchengruppe (ca. 55 Kinder) auf der Matte. Judo hatte weiterhin wachsenden Zuspruch. Zwar mußten die Kämpfer der neuen Gruppen noch viel Lehrgeld bezahlen, doch stellten sich 1993 die ersten größeren Erfolge ein. Zwei Premnitzer Judokas der Altersklasse U 13, Toni Giese und Thomas Mertinkat, starteten bei der Landesmeisterschaft in Spremberg und belegten jeweils Platz 3.
Die BSG Chemie wurde TSV Chemie und begann sich zu festigen. Damit war das Fundament für die Sektion Judo, die nun Abteilung Judo wurde, gelegt. Karsten und Rainer einigten sich, daß Karsten kommissarisch die Leitung der Abteilung übernimmt.
Die beiden Trainer hatten keine Zeit, die Werbetrommel für den Judosport zu rühren und waren mit ihren Trainingsgruppen eigentlich ausgelastet. Dennoch interessierten sich immer mehr Kinder für den Judokampfsport. Die beiden Trainingsgruppen platzen schnell aus ihren Nähten. Uta Baczkowski, ehemalige Judosportlerin und Mutter eines Premnitzer Judokas, erklärte sich im Herbst 1990 bereit, eine Trainingsvertretung in der Gruppe ihres Sohnes zu machen - seit dem ist sie wieder aktiv mit dem Judosport verbunden.
Auf ähnliche Art und Weise konnten immer mehr Erwachsene in die Judoabteilung integriert werden. 1992 standen bereits wieder 6 Übungsleiter mit 3 Jungen- und einer Mädchengruppe (ca. 55 Kinder) auf der Matte. Judo hatte weiterhin wachsenden Zuspruch. Zwar mußten die Kämpfer der neuen Gruppen noch viel Lehrgeld bezahlen, doch stellten sich 1993 die ersten größeren Erfolge ein. Zwei Premnitzer Judokas der Altersklasse U 13, Toni Giese und Thomas Mertinkat, starteten bei der Landesmeisterschaft in Spremberg und belegten jeweils Platz 3.

Effektivität durch Auffanggruppe

In der Judoabteilung entstand eine breite Basis, aus der Sportler mit hohem Niveau entwickelt werden konnten. Ständig neue Anfänger, die besonderes Augenmerk durch den Trainer benötigten, bremsten aber das Vorankommen der Gruppe. So trennte man seit 1992 die Neulinge von den Erfahrenen - es gab ja wieder genug Übungsleiter in Premnitz. In einer gesonderten Gruppe lernten diese Sportsfreunde das Laufen auf der Judomatte, das Prinzip dieses Sports und bereite-ten sich auf ihre erste Gürtelprüfung vor. Mit einem technischen Grundniveau ausgestattet konn-ten die Judokas dieser Gruppe zu einem Stichtag in die weiterführenden Mädchen- und Jungengruppen delegiert werden.

Leistungsorientiertes Training trägt Früchte

Seit 1992 hatte man einen großen Übungsleiterstamm, so daß fast alle Gruppen mit 2 Trainern besetzt werden konnten. Zusätzlich bezog man erfolgreiche und zuverlässige Jugendliche als ”Co-Trainer” in die Gruppenarbeit ein, um Übungsleiternachwuchs zu gewinnen. So konnte das Training weiter intensiviert werden. Entsprechend groß ist die Zahl der Sportler, die in den 90ern für den TSV erfolgreich waren, wie:
Benjamin Alex, Kai Baczkowski, Michael Becher, Ralf Bormann, Stefanie Dörner, Toni Giese, Stefan Jaentschel, Ramon Jeremias, Christin Just, Michael Katerbaum, Marcus Kretzschmann, Matthias Lockowandt, Sandra Majonek, Thomas Mertinkat, Steffen Meyer, Stefan Niesecke, Stefan Peuker, Antje und Cornelia Piel, Sebastian Sachse, Marcel Schmidt, Jaqueline und Leroy Seidler, Frank Siegemund, Janine Spiegelberg, Falk Stuhlmacher, Dirk Timmler, Hannes Vetter, Martin Weydemann, Wiebke Woitzik, Nick Wollbrügge.
Allein im Jahr 1997 bestritten TSV-Judokas 503 Kämpfe, waren 74 mal im Finalkampf erfolg-reich, erreichten 68 zweite und 109 dritte Plätze. 35 mal wurde ein fünfter Platz registriert. Wei-tere Erfolge, die unter der Überschrift “Meilensteine...” aufgeführt sind, basieren auf die Aufteilung der Trainingsgruppen nach Ausbildungsstand und einem leistungsorientierten Training.


Frauen-Power – Marita Sachse (etwas verdeckt), Trainerin der Jungen, sucht mit einem Opferwurf gegen Uta Baczkowski (vorn), Trainerin der Mädchen, den Weg zu Erfolg

Mitgliederboom

Der Zulauf zum Judosport riß nicht ab. 1990 standen nur 25 Judokas auf der Matte. Mit der Aufnahme von Fabian Kranz wurde 1995 erstmals die 100-Mitglieder-Marke erreicht. Ein Jahr spä-ter erfolgte sogar ein Aufnahmestopp. Die räumliche Kapazitätsgrenze war erreicht. Montags bis freitags war der kleine Dojo mit täglich zwei bis drei Trainingsgruppen ausgelastet.
Natürlich freute man sich in der Abteilungsleitung über diese Entwicklung, dem gewachsene Interesse am Judosport. Die Bevölkerungszahl in Premnitz war stark rückläufig. Trotzdem ka-men immer mehr fünf- bis achtjährige in Begleitung ihrer Eltern, um sich erst Judo anzusehen und dann mitzumachen. Vielleicht ist das Freizeitangebot für Kinder allgemein gering. Auf alle Fälle vergrößerte sich der Einzugsbereich unserer Judoabteilung. Derzeit kommen Kinder und Erwachsene aus Brielow, Böhne, Hohenferchesar, R athenow, Stechow, Nitzahn und natürlich aus der Premnitzer Region, um in der Premnitzer Judoabteilung ihre Freizeit zu gestalten. Das ist ein Zeichen dafür, daß das Umfeld, das Klima beim TSV in Ordnung ist.


Weiterentwicklung der Leitungsebene

Eine gute Leitung ist die Basis für eine erfolgreiche Vereinsarbeit. Im Frühjahr 1990 leiteten nur ein Zweierteam die Geschicke des Restes einer ehemals großen Judosektion. Ein halbes Jahr später kam mit Uta Baczkowski eine dritte Übungsleiterin. 1991 konnte mit Wilfried Lockowandt einer aus der alten Trainergarde reaktiviert werden. Kurz darauf kam auch Berthold Kammin, der zur Wendezeit aufgrund politischen Arrangement die sportlichen Aktivitäten in den Hintergrund stellte, wieder. Im folgenden Jahr fanden Ralph Stuhlmacher, der 1975 sein Judo-ABC in Torgau erlernte und 1978/79 in Premnitz trainierte, und Detlef Meyer, der in Salzwedel das Laufen auf der Judomatte erlernte, den Weg zum Premnitzer Judosport. So hatte man ab 1992 ein stattliches Trainerpotential.


Kampfszene des Landesligateams
Hier sind wettkampfaktive Männer und Jugendliche aus Premnitz, Rathenow und Perleberg zusammengefaßt. Teamleiter Karsten Fischer (rechts hinten)
Von nun an tagte auch regelmäßig die Abteilungsleitung zur Organisation und Koordinierung aller Aktivitäten der Premnitzer Judokas. Mit Uwe Majonek, einem ehemaligen Turner der 1993 den Weg zum Judosport fand, wurden vor allem im Bereich des Athletiktrainings neue Impulse gesetzt. Joachim Fischer, einem Mann im Vorruhestand, ist es zu verdanken, daß in den letzten Jahren ein ausgewogener Finanzhaushalt in der Judoabteilung geführt wurde und Mitgliedsbeiträge stabil blieben.
1995 bestanden die Sportsfreunde Detlef Meyer und Karsten Fischer ihre Prüfung zum ersten DAN. Ein Jahr später qualifizierten sich Berthold Kammin und Karsten Fischer zum Kyu-Prüfer. Heiko Poganatz und Uwe Schmidt ließen sich 1997 ebenfalls erfolgreich zum 1. DAN prüfen.In Anerkennung ihrer Leistungen in der Kinder und Jugendarbeit wurde 1995 den Sportsfreunden Berthold Kammin und Wilfried Lockowandt der zweite DAN verliehen. Auf der Verbandstagung des BJB im Februar 2001 wurden die Leistungen von Berthold Kammin bei der Entwicklung des Kinder und Jugendsportes mit der Verleihung des 3. DAN weiter gewürdigt.
Die Judoabteilung beschloß, da sie sich über mehrere Jahre zu einer der großen Abteilungen entwickelt hat, einen Kandidaten zu den TSV-Vorstandswahlen 2001 zu stellen. Mit Detlef Mey-er stellten wir einen Kandidaten, der auf dieser Wahlversammlung ohne Gegenstimme gewählt wurde.

Sportangebot der Nachfrage angepaßt

Traditionsgemäß ist der Judokampfsport auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet. Seit 1992, als die Zahl der Übungsleiter wieder anstieg, wurde auch die Seniorengruppe wieder zum Leben erweckt. Primär wollten sich Übungsleiter in Technikfragen und Trainingskonzepten austauschen. Zunehmend kamen auch Eltern, die sich über den Sport ihrer Kinder fachkundig machen wollten. 1996 kam ein Student aus den alten Bundesländer nach Premnitz, um hier ein sechs monatiges Betriebspraktikum zu absolvieren. Er war Judoka und hatte auch im Jiu-Jitsu eine 4jährige Ausbildung. Er bot für die Muttis unserer Judokas einen Selbstverteidigungskurs auf Jiu Jitsu - Basis an. Die Resonanz war riesig. Nach dem Kurs blieb das Interesse der Frauen an sportlicher Betätigung. Uta Baczkowski nahm sich dieser Gruppe an, die Frauensportgruppe wurde gegründet. Sie ist längst nicht mehr nur für ”Judomuttis” begrenzt.
Uwe Schmidt, ehemaliger Judoka aus Rathenow fand in Premnitz eine neue, sportliche Heimat. Neben seinem Arrangement in der Gruppe der weiblichen Jugend bildete er sich auch selbst weiter. Mit Heiko Poganatz, der in Premnitz das Judo-ABC erlernte, legte Uwe Schmidt 1996 die Prüfung zum 1. DAN im Judo ab. Beide Sportsfreunde beschäftigten sich weiter mit dem Gebiet der asiatischen Selbstverteidigungskünste. 1998 bestanden sie 1. DAN des Ki-Tai-Jutsu und anschließend ihre Prüfung zum Diplom-Kampfsportlehrer des Ki-Tai-Jutsu. Im gleichen Jahr begannen sie mit dem Aufbau der ATEMI-Kampfsportgruppe, basierend auf Techniken des Aikido, Jiu-Jitsu, Ki-Tai-Jutsu und natürlich des Judo. Aus der Vielfalt asiatischer Kampfarten entwickelte Heiko Poganatz eigene Selbstverteidigungstechniken, die in dieser Gruppe gelehrt werden und ließ diese unter dem Namen JITSUDO patentieren.
Im Jugendbereich ab AK 17 nahm das Angebot an Wettkämpfen ab. Für erwachsene Judoka, die sich noch gerne mit Ihresgleichen messen möchten, war das Turnierangebot fast null. Karsten Fischer, verantwortlich für den Jugendbereich, fand für Sportler über 16 Jahre die Lösung. Mit den Gemeinschaften aus Perleberg, Premnitz und Rathenow bildete er eine Mannschaft, die seit 1999 in der Brandenburgischen Landesliga kämpft.
Mit diesen Gruppen, der Frauensportgruppe, Landesligamannschaft, Atemi-Kampfsportgruppe und der traditionellen Seniorengruppe für Judo-Breitensport hat die Judoabteilung das Sportangebot für Erwachsene attraktiv erweitert.


Heiko Poganatz demonstriert Techniken des Jitsudo

Meilensteine der letzten zehn Jahre:

1992
Kämpfer der U 13 werden von den Niederkasseler Judokas eingeladen
1992
Karl Rieder, Sportfunktionär aus Viersen, spendet zu seinem 65. Geburtstag 5000 DM für eine neue Judomatte. Die Premnitzer können sich ihre erste Tatami leisten!!!
1993
Trainingslager in der Sportschule Lindow
1993
Toni Giese und Thomas Mertinkat setzen mit dem dritten Platz bei den Landesmeister-schaften in Spremberg das erste sportliche Nachwende-Achtungszeichen
1994
Über Klaus Dittmer, ehemaliger Premnitzer Judoka, wird eine Partnerschaft mit den Judokas aus Freudenstadt aufgebaut. Besuch der Freudenstädter in Premnitz
1995/1996
Toni Giese qualifiziert sich zu den Nordostdeutschen Meisterschaften, dem höchsten Turnier s einer Altersklasse und erkämpft dort eine Medaille.
1995
Erster Besuch Premnitzer Judokas in Freudenstadt
1996
Detlef Meyer wird in die Rechtskommission des Brandenburgischen Judoverband gewählt
1996
Karsten Fischer und Berthold Kammin erwerben die Lizenz zum Kyu-Prüfer
1996
Gemeinsames Trainingslager Premnitzer und Freudenstädter Judokas in der Sport-schule Lindow. Henry Hempel, ehemaliger Trainer der DDR-Judonationalmannschaft leitet einen Trainingstag
1997
Rathenower Übungsleiter wurden zum zwanglosen Erfahrungsaustausch auf die Premnitzer Bowlingbahn eingeladen.
1997-2000
Stefanie Dörner qualifiziert sich vier mal zu den Deutschen Meisterschaften (DM) ihrer Altersklasse.
1998
Toni Giese qualifiziert sich ebenfalls zur DM
1999
Die Landesliga des Brandenburgischen Judobundes wird gegründet. Die Premnitzer sind federführend bei der Gründung der Kampfgemeinschaft Premnitz-Rathenow-Perleberg und starten in dieser Liga
2000
Stefan Niesecke und Stefanie Dörner erkämpfen mit Platz 5 bei den DM das beste Ergebnis in der Vereinsgeschichte. Stefan Niesecke wird zum JC 90 Frankfurt/Oder, dem derzeitigen deutschen Mannschaftsmeister im Judo, delegiert.
2001
Auf der Wahlversammlung des TSV wird mit Detlef Meyer erstmals ein Judoka in den Vorstand des TSV gewählt.
2001
Unser Dojo fällt einem Brandstifter zum Opfer. Die Unterstützung der Verantwortlichen der Stadt, regionaler Unternehmen, der Premnitzer Bevölkerung und des Rathenower Judoclub läßt uns trotzdem optimistisch in die Zukunft blicken.
2001
Die Premnitzer Judokas begehen ihr Jubiläum ”40 Jahre Judo in Premnitz”
2001
Premnitzer Judokas bewerben sich erfolgreich um die Ausrichtung der Kreisolympiade und sind Gastgeber für die U11 und U15.

Judo im Wandel der Zeit

Horst Wolf war der Mann, der Judo in der DDR geprägt hat. Nach seinen Lehrbüchern wurden Techniken trainiert und Gürtelprüfungen abgelegt. Änderungen im Judo waren wenig vorhanden. So durfte die Tomoe-Nage von Mädchen seit den 80er Jahren geworfen werden. Auch benutzte man noch viele deutsche Begriffe.
Die Prüfungsordnung des DJV der DDR wurde in Premnitz 1994 durch die des DJB der BRD ersetzt. Ein großes Umdenken, besser Neudenken, mußte durch die Köpfe der Trainer gehen. Die Prüfungen waren jetzt den geistigen und motorischen Fähigkeiten der Kinder besser angepaßt. Aber neu war auch das der Uki-Goshi von nun an O-Goshi hieß und umgekehrt.
Auch Kampfrichter haben es schwer. Nicht nur, daß Betreuer und Eltern am Mattenrand ”alles besser wissen”, es gibt auch jährlich Änderungen in den Wettkampfregeln, die u. U. von Bundes-land zu Bundesland unterschiedlich sind. Vor 1990 waren Änderungen im Regelwerk eher selten.
Es wird nun bedeutend mehr japanisch gesprochen und auf japanische Traditionen Wert gelegt, als vor der Wende. Man trainiert nun nicht mehr in der Judohalle auf der Matte, sondern im Dojo auf der Tatami. Nicht der Trainer führt eine Technik vor sondern der Sensei. Man beginnt und beendet das Training nicht mehr im Stehen mit ”Sport frei” sondern in der japanischen Judohocke mit ”Re” .



Prüfer Berthold Kammin überreicht zur bestandenen Kyu-Prüfung den orangen Gurt an Christine Just

Ein Wunsch in die Zukunft

In zwanzig Jahren ist der derzeitige Kern der Premnitzer Judoabteilung zwischen 55 und 65 Jahre alt - und Dank des Sports natürlich rüstig, beweglich und aktiv! Schön wäre es, würden in Premnitz und Umgebung Arbeitsplätze entstehen, so daß junge Menschen wieder in diese Region ziehen und vielleicht einige junge Judo-Trainer dabei sind und der Sport nicht mit uns ausstirbt.


Text: Judoabteilung, Redaktionskommision "40 Jahre Judo Premnitz"
Die Fotos sind von Karl Drygalla, Manfred Heinrich und Uwe Majonek



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